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Die
Zauneidechse
(Lacerta agilis)

Zauneidechse.
Foto Ina Blanke

 

Name

Der Name Zauneidechse beschreibt bevorzugte Aufenthaltensgebiete der Tiere, nämlich Grenzstrukturen und Übergangsbereiche. Sehr treffend ist auch das französische "lezard des souches" - Eidechse der Baumstümpfe. Das niederländische "Zandhagedis" und das englische "sand lizard" verweisen auf häufig besiedelte Böden.
Der lateinische Artname Lacerta agilis lautet übersetzt flinke Eidechse.

Kennzeichen

Zauneidechsen sind ziemlich kräftige Eidechsen mit eher kurzen Beinen. Der Kopf ist recht massig und deutlich vom Rumpf abgesetzt. Zur Paarungszeit sind die Flanken der Männchen leuchtend grün. Der Rücken wird durch zwei sandfarbene (Parietal-) Bänder von den Körperseiten abgegrenzt. Die zwischen diesen Bändern liegenden Rückenschuppen sind deutlich schmaler als die Schuppen an den Flanken. Auf dem braunen Rücken verlaufen drei, mehr oder minder stark aufgelöste, weiße Linienbänder. Deren Elemente (Punkte oder Striche) werden oft von dunkelbraunen Flecken umrahmt.
Zeichnungselemente der Zauneidechse
Typische Zeichnungselemente der Zauneidechse.
Foto Ina Blanke.
An den Flanken finden sich oft so genannte Augenflecken, die aus einem dunklen Fleck mit einem hellen Auge bestehen. Insgesamt sind die bei Zauneidechsen auftretenden Zeichnungsmuster überaus vielfältig. Da die weißen Linien und Punkte auf dem Rücken zeitlebens erhalten bleiben, können deren Muster - gleich einem Fingerdruck - zur lebenslangen individuellen Wiedererkennung der Tiere dienen.

Zeichnungsvielfalt innerhalb einer Zauneidechsen-Population
Zeichnungsvielfalt innerhalb einer Zauneidechsen-Population.
Alle Fotos Ina Blanke.

Sehr alte Zauneidechsen-Männchen werden teilweise vollkommen grün, auch Schwärzlinge kommen gelegentlich vor. Lokal verbreitet sind sogenannte rotrückige Zauneidechsen. Bei diesen Tieren fehlen die typischen Zeichnungselemente (also die weißen Linien oder Punkte und die dunklen Flecke), ihr Rücken ist einfarbig rotbraun oder braun, teilweise treten einige schwarze Punkte auf (vgl. das rechte Tier in der Abb. D oben).
Sehr große Zauneidechsen mit unversehrtem Schwanz können etwa 24 cm lang werden, die meisten Tiere bleiben jedoch deutlich kleiner.

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Verbreitung

Die Zauneidechse besiedelt das zweitgrößte Areal aller europäischen Eidechsen. Sie ist in weiten Teilen Europas (vgl. SEH-Verbreitungskarte.pdf) und Zentralasiens zu finden. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich von Süd-England im Westen bis an den sibirischen Baikalsee im Osten. Die südlichsten Vorkommen sind in Zentral-Griechenland zu finden, die nördlichsten in Süd-Schweden (Gesamtareal laut IUCN, für eine aktuellere und genauere Darstellung siehe Blanke 2010). Auch in Deutschland ist die Zauneidechse weit verbreitet. Ihre Höhenverbreitung erstreckt sich von Meeresniveau bis auf etwa 1700 m. Sowohl in der Tiefebene als auch in den Mittelgebirgen liegen die meisten Vorkommen jedoch unter 300 m. Von Norden nach Süden steigen die in den Gebirgen besiedelten Höhen kontinuierlich an: So werden in Niedersachsen 370 m, im Thüringer Wald 700 m, im Schwarzwald knapp 1000 m erreicht; das höchste (1700 m) bekannte Vorkommen liegt bei Ruhpolding in Bayern. Neben unterschiedlichen naturräumlichen und klimatischen Gegebenheiten bestimmt die Intensität der Landnutzung das Verbreitungsbild bzw. dessen Lücken zunehmend.

Schlüpfende Zauneidechsen Die Verbreitung der Zauneidechse wird u. a. vom Vorhandensein geeigneter Substrate (z. B. Sand) zur Eiablage bestimmt.
Schlüpfende Zauneidechsen.
Foto Alexander Schrey.

Lebensräume

Ihr Name verrät es, einst war die Zauneidechse fast allgegenwärtig, und entlang von Säumen, Hecken und selbst auf Zäunen regelmäßig zu sehen. Noch immer ist sie in der Wahl ihrer Lebensräume recht anspruchslos; etwas lockerer und gut zu grabender Boden für die Eiablage, eine nicht völlig geschlossene Krautschicht, Sonnenplätze wie ein Baumstumpf oder etwas Gestrüpp und ein paar Sträucher oder Bäume als Deckung und Überhitzungsschutz genügen ihr zum Leben. Doch selbst so bescheidene Ansprüche sind heute oftmals „zu viel verlangt“: mit dem Verschwinden von Säumen an Waldrändern und unbefestigten Wegen, von Heckenlandschaften, Ackerrainen und ähnlichem verschwand auch die Zauneidechse aus vielen Gegenden.
Jungtier (Schlüpfling) der Zauneidechse.
Foto Ina Blanke.

Jungtier (Schlüpfling) der Zauneidechse
Heute sind Zauneidechsen insbesondere an Waldrändern und auf Lichtungen, auf Halbtrockenrasen und Heiden, in Dünen und auf Felskuppen zu finden. Da dort noch „Ödland“ zu finden ist und häufig auch die Strukturierung nichts zu wünschen übrig lässt, liegen wichtige Lebensräume oft entlang von Verkehrswegen oder in Bodenabbau-Gebieten.

Lebensweise

Das Sozialverhalten von Zauneidechsen ist stark ritualisiert, sehr vieles läuft nach festen Spielregeln (die sich aber zwischen verschiedenen Siedlungsgebieten bzw. Beständen unterscheiden können) ab.
Anfang März verlassen die Männchen und die Jungtiere üblicherweise ihre Winterquartiere. Die Weibchen erscheinen etwa drei Wochen später. Nach der ersten Frühjahrshäutung der Männchen beginnt (meist Ende April oder Anfang Mai) die Paarungszeit. In dieser Zeit sind Beobachtungen besonders reizvoll: Während Zauneidechsen sonst sehr vorsichtig und auf Deckung bedacht sind, haben die Männchen jetzt „nur noch eines im Kopf“. Unermüdlich auf der Suche nach Weibchen oder als glücklicher Eroberer scheinen sie alle Vorsicht vergessen zu haben und erlauben viele interessante Einblicke in ihr Leben. Nach einer ersten Kontaktaufnahme erfolgt - sofern das Männchen das Gefallen des Weibchens findet - ein sogenannter Paarungsmarsch, der der eigentlichen Paarung voran geht. Nach der Paarung bleiben die Männchen oft noch einige Stunden oder Tage in der Nähe der Weibchen. Sie versuchen, andere Männchen zu vertreiben. Bei in Gefangenschaft gehaltenen Tieren sind regelmäßig Kommentkämpfe, die wiederum nach festen Regeln und ohne ernsthafte Verletzungen ablaufen, zu beobachten. Im Freiland überwiegen dagegen Verhaltensweisen wie Einander-Ausweichen oder kurzes Imponieren. Insgesamt sind Zauneidechsen recht verträglich und oft in „Grüppchen“ anzutreffen. Demutsgesten wie das „Treteln“ dienen der Beschwichtigung von Gegnern, das „persönliche“ Kennen der Tiere hilft Konflikte zu vermeiden.
Nach der Paarungszeit verbringen die Weibchen viel Zeit in der Sonne, um so eine rasche Entwicklung der Eier zu fördern. An warmen Sommertagen „sonnen“ sie sich mitunter im Halbschatten (s. Abb. unten). Die Eiablagen erfolgen zwischen Ende Mai und Anfang August. Das Weibchen legt die Eier (4-15) in selbstgegrabenen Höhlen an offenen und sonnigen Plätzen ab, in Norddeutschland sind dies in der Regel offensandige Bereiche. Um geeignete Ablagestellen zu finden, müssen die Weibchen oft weite Wanderungen unternehmen, auch die Anlage der Eihöhle stellt oft eine harte und zeitraubende Arbeit dar. Grabungen sind teilweise auch tagsüber zu beobachten, die eigentliche Eiablage erfolgt im Schutz der Dunkelheit.
Trächtiges Zauneidechsen-Weibchen

 

Das Gelege wiegt etwa genauso viel wie das Weibchen nach der Eiablage. Entsprechend rund bzw. ausgezehrt wirken die Muttertiere vor bzw. nach der Ablage.

Abb. oben und rechts: Das selbe Tier in deutlich (aber nicht hoch-) trächtigem Zustand und einige Tage nach
der Eiablage.

Fotos Ina Blanke.
Zauneidechsen-Weibchen nach der Eiablage
Die weitere Entwicklung der Gelege wird maßgeblich vom Witterungsverlauf bestimmt, nachteilig sind sowohl zu kalte als auch sehr trockene Sommer. In günstigen Jahren können ab Ende Juli die ersten Schlüpflinge beobachtet werden. Die kleinen Zauneidechsen wiegen etwa ein halbes Gramm und messen von Schnauzen- zu Schwanzspitze etwa 5 cm.
Beim Erscheinen der ersten Jungtiere können häufig schon keine erwachsenen Männchen mehr angetroffen werden. Zauneidechsen suchen nämlich ihre Winterquartiere auf, sobald sie ausreichende Energiereserven angelegt haben.
Männchen "verschwinden" ab Ende Juli/Anfang August in die Winterquartiere. (Zu diesem Zeitpunkt sind sie übrigens in der Regel braun gefärbt. Bei "grünen" Zauneidechsen im Sommer handelt es sich um vorjährige männliche Jungtiere, die gerade geschlechtsreif werden.) Die Weibchen müssen sich zunächst von der Eiablage erholen, sie ziehen sich meist im September zurück. Am längsten aktiv bleiben die Schlüpflinge, die oft noch im Oktober zu beobachten sind.

Gefährdung

Durch anhaltende Verluste von Lebensräumen gehen die Bestände der Zauneidechse kontinuierlich zurück. Die Gründe für die Lebensraum-Verluste sind dabei so vielfältig wie die Wohngebiete der Zauneidechse: Ausbau von Fließgewässern, Verlust von Ödland, Flurbereinigungen, Ausbau von Verkehrswegen, Rekultivierung von Abgrabungen, Bebauungen von südexponierten Hängen und Dünen und vieles mehr entzieht den Tieren ihren Lebensraum. Aufgrund der Unscheinbarkeit der Lebensräume und der guten Tarnung der Eidechsen erfolgt dies oft unbemerkt. Nährstoffeinträge tragen durch Düngung zum Verlust von vegetationslosem Boden und somit zum Verlust der Eiablageplätze bei; dies kann zu einem langsamen Erlöschen der Bestände führen.
Es wundert somit nicht, dass die Zauneidechse mittlerweile auf den Roten Listen der meisten Bundesländer geführt wird.
Die besondere Biologie der Zauneidechse und ihr strenger Schutz erweisen sich bei Bauvorhaben etc. oft als Problem. Leider existieren sehr fragwürdige Empfehlungen, die vorgeblich dem Artenschutz dienen, tatsächlich aber nur Vorhabensträgern helfen. Dazu zählen z. B. falsche Angaben zur Biologie, sehr fantasievolle Interpretationen der Rechtslage, pseudowissenschaftliche Berechnungen und Korrekturfaktoren zur Verringerung des Flächenbedarfs für Ausgleichsmaßnahmen und nicht zuletzt kaum verbrämte Vorschläge, die Tiere doch vorab einfach zu töten...
Unsere Handreichung (Schneeweiß et al. 2014) bemüht sich dagegen, der Zauneidechse ebenso wie dem Naturschutzrecht Genüge zu tun: "Zauneidechsen im Vorhabensgebiet – was ist bei Eingriffen und Vorhaben zu tun?" (PDF-Datei, 2,0 MB).

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Verwendete und weiterführende Literatur

Blanke, I. (2010): Die Zauneidechse.- 2. aktual. und ergänzte Aufl. - Bielefeld (Laurenti),
ISBN 978-3-933066-43-5.
Versandkostenfrei direkt beim Verlag bestellen.
Blanke, I. & H. Fearnley (2015): The sand lizard. - Bielefeld (Laurenti),
ISBN 978-3-933066-55-8.
Versandkostenfrei direkt beim Verlag bestellen.
Kluge, E., I. Blanke, H. Laufer & N. Schneeweiß (2013): Die Zauneidechse und der gesetzliche Artenschutz – Vermeidungsmaßnahmen, die keine sind - Naturschutz und Landschaftsplanung, 45: 287-292.
Schneeweiß, N., I. Blanke, E. Kluge, U. Hastedt & R. Baier (2014): Zauneidechsen im Vorhabensgebiet – was ist bei Eingriffen und Vorhaben zu tun? Rechtslage, Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der aktuellen Vollzugspraxis in Brandenburg. - Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 23 (1): 4-23.
http://www.lugv.brandenburg.de/media_fast/4055/nl_1_2014_echse.pdf (PDF-Datei, 2,0 MB)

Weitere Literatur