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Die Schlingnatter
(Coronella austriaca)

Schlingnatter (Coronella austriaca)

Name

Die Schlingnatter überwältigt größere Beutetiere durch Umschlingen bzw. Erdrosseln, was einen der beiden gebräuchlichen deutschen Namen dieses Tieres erklärt. Aufgrund ihrer glatten, ungekielten Schuppen wird sie auch als „Glattnatter“ bezeichnet. Die Übersetzung des lateinischen Artnamens lautet „Österreichisches Krönchen“. Hiermit wird wohl die häufig zackenförmige und „kronenähnliche“ Zeichnung auf dem Hinterkopf und Hals beschrieben.

Kennzeichen

Schlingnattern haben ein schlankes Erscheinungsbild, eine runde Pupille, glatte Schuppen, ihre Rückenzeichnung besteht häufig aus zeilenartig angeordneten Flecken. Die Grundfarbe der Tiere ist grau, braun oder rötlich. Hinterkopf, Hals und Rücken sind dunkel gemustert. Die Rückenzeichnung ist fast immer unterbrochen. Charakteristisch ist auch ein dunkler Strich, der vor oder hinter dem Auge beginnt und sich bis zum Hals hinzieht. Hinzu kommt ein dunkles Muster auf Hinterkopf und Hals. Die längste bekannte Schlingnatter brachte es auf 90 cm, die meisten werden jedoch nur 45 bis 65 cm lang.
Die Körperproportionen, runden Pupillen, Zeichnungsunterschiede sowie die glatten Schuppen erlauben eine sichere Unterscheidung von der Kreuzotter. Durch das Fehlen der hellen "Mondflecke" im Nacken kann die Schlingnatter von den deutlich längeren Arten Ringel- und Äskulapnatter unterschieden werden.
Die Fleckenmuster auf dem Hinterkopf und dem Rücken bleiben zeitlebens konstant. Auch die Pigmentierung der Kopfschilder ändert sich kaum. Da diese Merkmale bei verschiedenen Schlingnattern sehr unterschiedlich ausgebildet sind, eignen sie sich gut zur dauerhaften Individualerkennung.
Die unten stehenden Beispielfotos zeigen Individuen aus demselben Moorgebiet:

Schlingnatter, Individualerkennung

Verbreitung

Die Schlingnatter ist in fast ganz Europa, im mittleren Osten und in Westsibirien zu finden. Die nördlichsten Vorkommen leben auf den finnischen Åland-Inseln, die südlichsten auf dem Peleponnes. Die Ostgrenze liegt am Tobol in Kasachstan, die westlichsten Vorkommen sind in Nordwestspanien zu finden. Zur Verbreitung in Europa siehe SEH-Verbreitungskarte.pdf.
In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt der Schlingnatter in klimatisch begünstigten Regionen in Südwest- und Süddeutschland. Weiter nördlich splittert das Vorkommen mehr und mehr auf.

Lebensräume

Die Schlingnatter besiedelt eine Vielzahl offener bis halboffener Lebensräume, insbesondere strukturreiche Übergange zwischen offener und bewaldeter Landschaft sind klassische Schlingnatter-Habitate. Typische Lebensräume im sind Norden Deutschlands strukturreiche Heiden, Moor- und sonnige Waldränder mit angrenzenden Wiesen, Heiden, Brachen oder anderen geeigneten Offenländereien. Weiter südlich werden auch (Halb-) Trockenrasen, felsige „Ödländereien“ sowie Trockenmauern bewohnt. Diese und weitere Lebensräume weisen folgende Gemeinsamkeiten auf:
  • Wechsel von vegetationslosen Flächen mit unterschiedlich dichter und hoher Vegetation.
  • Neben der Kraut-, Zwergstrauch- oder Grasschicht ist stets die Strauchschicht mehr oder weniger gut entwickelt (Gebüschkomplexe, einzelne Sträucher oder Jungbäume).
  • Strukturelemente wie liegendes Totholz, Baumstubben, Steinhaufen oder –mauern sowie anstehender Boden dienen als Versteck und/oder Sonnenplatz.
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Lebensweise

Die Schlingnatter ist die unbekanntste unserer Schlangen. Zum einen wird sie häufig mit der Kreuzotter verwechselt, zum anderen lebt sie ausgesprochen „heimlich“. So ist sie unscheinbar und durch ihre Zeichnung perfekt getarnt bzw. geradezu „weggetarnt“. Als Mäusejäger hält sie sich gerne dort auf, wo ihre Beute zu finden ist (z. B. in Mauselöchern und -gängen) und entzieht sich auch so der Beobachtung weitgehend. Neben Kleinsäugern stehen auch Reptilien regelmäßig auf ihrem Speiseplan. Junge Schlingnattern ernähren sich (fast) ausschließlich von Kriechtieren; junge Zauneidechsen gelten als das Lieblingsfutter junger Schlingnatter. Die älteren Schlangen sind hingegen weitaus flexibeler. Größere Beutetiere werden mit den Zähnen gepackt und dem muskulösen Körper umschlungen. Teilweise wird so die Beute getötet, meist aber nur geschwächt und so an der Gegenwehr gehindert.

Schlingnatter
Schlingnatter (= Glattnatter)

Mitunter sind Schlingnattern bereits im Februar oder März aktiv. Üblicherweise beginnt das Jahr dieser wärmeliebenden Schlange aber erst im April. Im Mai finden dann die Häutungen und die meisten Paarungen statt (teilweise tritt eine zweite Paarungsphase im Hochsommer auf). Die Schlingnatter ist lebendgebärend, die Jungschlangen schlüpfen also nicht aus lange zuvor abgelegten Eiern, sondern werden voll entwickelt zur Welt gebracht. Entsprechend lange sind trächtige Weibchen zu beobachten, die ersten Jungtiere werden im August zur Welt gebracht. Die dünnen Eihäute platzen während oder kurz nach der Geburt. Die Zahl der Jungtiere bzw. Eier schwankt zwischen 2 und 15 pro Weibchen. Die Weibchen pflanzen sich in der Regel nur jedes zweite Jahr fort, die „Babypause“ benötigen sie zur Erholung und zur Vorbereitung des Körpers auf die nächste Fortpflanzungsperiode.
Schlingnattern suchen ihre Winterquartiere vergleichsweise spät auf: Frühe Tiere ziehen sich schon im September zurück, viele bleiben aber im Oktober oder noch länger aktiv.

Gefährdung

Mit dem Verlust strukturreicher Landschaften gehen auch die Lebensräume der Schlingnatter verloren. Als Ursache sind hier einerseits die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsweisen (z. B. Beweidung von Magerrasen) und anderseits intensivierte Landnutzungen (Verlust von Säumen und Rainen, Aufforstungen) zu nennen. Da mit Flurbereinigungen auch Verluste von Übergangsbereichen und Sonderstrukturen einhergehen, tragen sie sozusagen „gezielt“ zu Lebensraumverlusten bei.

Sich „sonnende“ Schlingnatter
Sich „sonnende“ Schlingnatter. Foto Ina Blanke.

Zudem ist die Schlingnatter noch schwieriger nachzuweisen, als das bei Reptilien ohnehin der Fall ist. Entsprechend werden ihre Vorkommen allzu oft überplant oder versehentlich vernichtet. In derartigen Fällen nützt der strenge Schutzstatus der Schlingnatter als Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie leider wenig.
Es ist zu hoffen, dass die Wahl der Schlingnatter zum "Reptil des Jahres 2013" die Bekanntheit und den Schutz der Schlingnatter nachhaltig fördert.

Weitere Informationen zur Gefährdung und zum Schutz von Reptilien

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Verwendete und weiterführende Literatur

Alfermann, D., R. Podloucky, M. Schweiger, A. Meyer & E. Engel (2012): Die Schlingnatter - Reptil des Jahres 2013. - Aktionsbroschüre DGHT (Hrsg.) (PDF-Datei, 4 MB).
Brehm, A. (1922): Brehms Tierleben. Kriechtiere. - Leipzig (Bibliographisches Institut).
Günther, R. & W. Voelkl (1996): Schlingnatter - Coronella austriaca -. - In: Günther, R. (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. - Jena (Gustav Fischer): 631-647.
Podloucky, R. & M. Waitzmann (1993): Lebensraum, Gefährdung und Schutz der Schlingnatter (Coronella austriaca Laurenti 1768) im Norddeutschen Tiefland und in den Mittelgebirgslagen Südwestdeutschlands. - In: Gruschwitz, M., P. M. Kornacker, R. Podloucky, W. Völkl & M. Waitzmann (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Schlangen Deutschlands und angrenzender Gebiete. - Mertensiella 3: 59-76.
Völkl, W. & D. Käsewieter (2003): Die Schlingnatter. – Bielefeld (Laurenti).
Tagungsbeiträge zur internationalen Schlingnatter-Tagung am 23. und 24. November 2013 in Isernhagen: " Verbreitung, Ökologie und Schutz der Schlingnatter (Coronella austriaca) Reptil des Jahres 2013 ". -
Zusammenfassungen der Vorträge und Poster (PDF-Datei, 3 MB).

Weitere Literatur