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Die Ringelnatter
(Natrix natrix)

Ringelnatter.
Foto Ina Blanke

Name

Die beiden gelben Halbmonde im Nacken von Ringelnattern wirken wie ein unvollständiger Halsring. Möglichweise beschreibt der Name "Ringelnatter" aber auch die Fähigkeit der Tiere, sich stark einzuringeln. „Ringelnatter“ ist allgemein gebräuchlich, alte Bezeichnungen wie Schwimm-, Wassernatter oder Hausschlange werden kaum noch verwendet. Diese veralteten Namen beschreiben typische Fundorte der Schlange. Die Ableitung des lateinischen Namens Natrix lautet die Schwimmerin.

Kennzeichen

Die beiden gelben (manchmal orangen), halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf machen die Ringelnatter in Verbindung mit den nur kleinen Flanken- und Rückenflecken praktisch unverwechselbar. (Äskulapnattern haben auch gelbe Nackenflecken, sind insgesamt aber viel stärker gefleckt und haben zudem glatte Schuppen.) Die Grundfarbe von Natrix natrix ist üblicherweise grau. Schwärzlinge können anhand der runden Pupillen, großen Kopfschilder und der gekielten Schuppen und dem ungeteilten Schild vor dem Auge erkannt werden.
Die meisten Ringelnattern werden nicht länger als 1 m, auch wenn Maximallängen von etwa 1,5 m bekannt wurden. So oder so ist die Ringelnatter eine sehr langgestreckte Schlange.

Verbreitung

Mit Ausnahme von Irland und dem nördlichen Skandinavien ist die Ringelnatter in ganz Europa (vgl. SEH-Verbreitungskarte.pdf) zu finden. Weiter erstreckt sich die Verbreitung (vgl. IUCN-Map) über Südsibirien und den Mittleren Osten bis hin zu reliktartigen Vorkommen in Nordwest-Afrika. In Deutschland fehlt sie nur in den Alpen oberhalb von circa 1.300 m, den Hochlagen der Mittelgebirge sowie in ausgeräumten Agrarlandschaften.

Lebensräume

Die Ringelnatter besiedelt ein weites Spektrum offener bis halboffener Lebensräume, in denen Gewässer unterschiedlichster Art zu finden sind. So werden feuchte Biotope entlang von Flüssen und Bächen, ausgedehnte Grabensysteme und extensive Teichanlagen besiedelt. Auch Kiesgruben und Steinbrüche werden von Ringelnattern bewohnt. Die Tiere sind oftmals weit entfernt von Gewässern anzutreffen; als „Landlebensraum“ dienen unter anderem feuchte Wiesen, Wälder und Waldränder. Eine hohe Bedeutung haben Säume und Raine sowie Gebüsche und Hecken.
In nicht zu großer Entfernung der Gewässer als Jagdgebiet sind Eiablageplätze und trockene Winterquartiere von Nöten. Als Sonnenplatz dienen beispielsweise alte Schilfhaufen oder Totholz. Sowohl Sonnen- als auch Paarungsplätze besitzen in unmittelbarer Nachbarschaft Flucht- und Deckungsmöglichkeiten (z. B. durch Gebüsche).
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Lebensweise

Zwischen Februar und April verlassen die meisten Ringelnattern ihre Winterquartiere. Im Mai findet dann die Mehrzahl Paarungen statt, diese erfolgen typischerweise in besonderen Bereichen, die die paarungsbereiten Tiere einer Population gezielt aufsuchen (Paarungsplätze).
Auch wenn teilweise zahlreiche Männchen gleichzeitig dasselbe Weibchen umwerben, kommen Beißereien zwischen den Rivalen nicht vor.  Einige Zeit nach den Paarungen werden die trächtigen Weibchen zunehmend behäbiger und verbringen viel Zeit beim Sonnen. Zur Eiablage müssen sie dann teilweise über weite Strecken wandern, um geeignete Eiablageplätze aufzusuchen. Besonders günstig ist es, wenn diese durch Verrottung organischer Materialen eine gewisse Eigenwärme produzieren, wie das beispielsweise in Mist- oder Komposthaufen, Schilf- oder Binsenhaufen und in vermodernden Baumstümpfen der Fall ist. „Moderne“ Ringelnattern nutzen auch Fernwärmeleitungen zur Eiablage. Zur Eiablage suchen die Weibchen bevorzugt Stellen auf, an denen bereits Eier abgelegt wurden oder an denen sie einst sogar selbst zur Welt gekommen sind.

Ringelnatter-Gelege in Kompost

 

Ringelnatter-Gelege in Kompost.
Foto Georg Wilhelm.

http://commons.wikimedia.org/wiki/ File%3ANatrix_0697.JPG
(CC-BY-SA-3.0 Weitergabe mit Namensnennung und unter gleichen Bedingungen 3.0)

Da geeignete Eiablageplätze oftmals von zahlreichen Weibchen genutzt werden, sind hier mitunter Tausende von Eiern zu finden. Einzelne Weibchen legen dabei meist 10-30 Eier ab.
Sehr frühe Eiablagen können bereits Anfang Juni erfolgen, die meisten Eier werden jedoch im Juli oder August abgelegt.
Die ersten Jungschlangen schlüpfen im Juli, die letzten meist Ende September. Möglicherweise kommt es gelegentlich zu einer Überwinterung der Eier und einem erfolgreichen Schlupf im darauffolgenden Jahr. Die Mehrzahl der Ringelnattern zieht sich im September oder Oktober in ihre Winterquartiere zurück.

Ringelnatter.
Foto Ina Blanke

Ringelnattern ernähren sich vor allem von Fröschen, Kröten und Molchen; auch (Klein-) Fische, Mäuse und Eidechsen werden gefressen.
Ringelnattern sind sehr scheu und fliehen bei der geringsten Störung. Gelingt ihnen dies nicht, zischen sie laut und stoßen mit dem Kopf in Richtung des Angreifers. Werden Ringelnattern ergriffen, verspritzen sie durch Bewegungen des Hinterkörpers eine ekelhaft stinkende Flüssigkeit aus ihren Analdrüsen und versuchen teilweise, sich durch (harmlose) Bisse zu wehren. Nützt das alles nichts, stellen sich Ringelnatter oft tot, indem sie den Körper erschlaffen lassen und teilweise den Bauch nach oben drehen, die Pupillen verdrehen und aus dem geöffneten Maul die Zunge heraushängen lassen. Dieses Verhalten wird als "Akinese" bezeichnet.

Akinese.
Foto Huig Bouter.

 

Gefährdung

Als Jäger von Amphibien sind Ringelnattern sehr stark an feuchte Lebensräume gebunden. Daher werden durch Entwässerungen von Feuchtgebieten, Regulierungen der Läufe von Fließgewässern, Intensivierungen der Teichwirtschaft und Umbruch von Grünland Lebensräume der Ringelnatter vernichtet. Zahlreiche Ringelnattern werden bei Wanderungen zwischen ihren verschiedenen Teillebensräumen zu Opfern des Straßenverkehrs. Gravierende Auswirkungen hat die Zerstörung von Eiablageplätzen (z. B. durch Gewässerregulierungen oder „Aufräumarbeiten“). Besonders an größeren Seen führt der Massentourismus zu Störungen und damit zur Verschlechterung der Lebensräume.

Lebensraum der Ringelnatter.
Foto Ina Blanke.

 

Scheue Froschjägerin: Mehr aus dem Leben der Ringelnatter von Ina Blanke.
Weitere Informationen zur Gefährdung und zum Schutz von Reptilien.

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Verwendete und weiterführende Literatur

Bail, T. (1896): Neuer methodischer Leitfaden für den Unterricht in der Zoologie. – Leipzig (Reisland).
Blanke, I., A. Borgula & T. Brandt (2008): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Ringelnatter (Natrix natrix Linnaeus 1758). - Mertensiella 17, Rheinbach (DGHT in Zusammenarbeit mit der karch).
Eckstein, H.-P. (1993): Untersuchungen zur Ökologie der Ringelnatter (Natrix natrix Linnaeus 1758). - Jahrbuch für Feldherpetologie, Beiheft 4.
Günther, R. & W. Voelkl (1996): Ringelnatter – Natrix natrix -. In: Günther, R. (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. - Jena (Gustav Fischer): 666-684.
Kabisch, K. (1978): Die Ringelnatter. – Wittenberg (Ziemsen).
Mertens, D. (1992): Ökoethologisch-radiotelemetrische Untersuchungen an einer Population der Ringelnatter (Natrix natrix L.) - unter besonderer Berücksichtigung von Populationsstruktur, Aktivität, Ressourcenausnutzung und Thermoregulation. - Dissertation Philipps-Universität Marburg/Lahn.
Mertens, D. (1994): Some aspects of thermoregulation and activity in free-ranging grass snakes (Natrix natrix L.). - Amphibia-Reptilia 15: 322-326.
Tagungsbeiträge der internationalen Fachtagung am 19. und 20. November 2005 in Neustadt am Rübenberge zur „Verbreitung, Ökologie und Schutz der Ringelnatter (Natrix natrix)“ . -
Download des kompletten Programmhefts (193 kB) oder Einzelbeiträge online

Weitere Literatur