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Die Mauereidechse besiedelt gerne altes Mauerwerk, daher sind sowohl ihr deutscher Name als auch die Artbezeichnung muralis (= an oder in Mauern lebend) gut gewählt. Podarcis heißt soviel wie schnellfüßig und ist ebenfalls sehr treffend.
Mauereidechsen sind schlank und überaus flink. Der Körper ist abgeflacht, die Beine sind kräftig und mit der bis zu doppelten Körperlänge wird der Schwanz sehr lang. Färbung und Zeichnung weisen eine große Variationsbreite auf. Meist zeigt die Oberseite eine braune Färbung und ein schwarzes Fleckenmuster; diese Flecken können - insbesondere bei Männchen - zu einem Netzmuster zusammenfließen. Bei anderen Tieren sind dagegen mehr oder minder deutlich abgegrenzte helle und dunkle Längsstreifen ausgebildet. Die Körperseiten tragen meist ein dunkles Längsband, das mit hellen Flecken durchsetzt sein kann. Zum Rücken hin ist dieses Längsband oft mit einem schmalen Zickzackband versehen. Mitunter ist der untere Bereich der Körperseiten blau gefleckt. |
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![]() Männchen (oben) und Weibchen (rechts) |
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In Südeuropa leben zahlreiche eng verwandte und ähnlich aussehende Arten, in Deutschland sollte die korrekte Artansprache dagegen leicht fallen. In Zweifelsfällen kann man sie hier anhand des glatten Hinterrandes des Halsbandes von Waldeidechsen und durch die abweichende Kopfbeschilderung von Kroatischen Gebirgseidechsen unterscheiden (Details siehe Kennzeichen bzw. Bestimmung von Reptilien).
Die Mauereidechse ist im Mittelmeerraum beheimatet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich zwischen Rumänien im Osten und Mittelspanien im Westen. Im Südosten erreicht es Nordwestanatolien, die Nordgrenze verläuft durch Nordösterreich, die südlichen Niederlande sowie die südwestdeutschen Mittelgebirge. Zur Darstellung des europäischen Verbreitungsgebiets: http://www.seh-herpetology.org/images/atlas/pdf/squamata/podmur.pdf. Ihre deutschen Verbreitungsschwerpunkte liegen im Bereich der klimatisch begünstigten Hanglagen der Flüsse Rhein, Neckar, Mosel, Nahe, Lahn und Ahr, also in den durch Weinbau geprägten Regionen. Darüber hinaus gibt es leider an verschiedenen Stellen Deutschlands auf Aussetzungen zurückgehende Bestände. Natürlich kommt die Mauereidechse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie in Hessen, dem Saarland, Bayern und Nordrhein-Westfalen vor. Zu den ursprünglichen Lebensräumen der Mauereidechse zählen u.a. sonnenexponierte Felsen, Geröllhalden, gerölldurchsetzte Trockenrasen und die randlichen Kiesbänke der großen Flüsse. Da diese natürlichen Lebensräume heute weitestgehend verschwunden sind, sind Mauereidechsen insbesondere an unverfugten Trockenmauern in Weinbergen, an Bahndämmen, Ruinen, Burgen und anderen menschgemachten Felslandschaften zu finden. Kennzeichnend für ihre Lebensräume sind offene, sonnenbeschienene Steinflächen mit zahlreichen Unterschlupfen in Form von Fugen und Hohlräumen. Neben diesen vegetationsfreien Bereichen sind auch unterschiedlich dicht bewachsene Abschnitte notwendig. Ideal ist es, wenn die Lebensräume nach Südosten bis Südwesten ausgerichtet sind. Zur Eiablage werden vegetationslose oder -arme Bodenstellen benötigt.
Die Hauptaktivitätsperiode beginnt (entsprechend unserer Witterung) meist im März oder April. Die erwachsenen Männchen werden meist einige Wochen vor dem Rest der Population aktiv. Mit dem Erscheinen der Weibchen beginnen Revierstreitigkeiten zwischen den Männchen. Männliche Rivalen werden rigoros vertrieben, wobei es zu heftigen Kämpfen kommen kann. Weibchen kämpfen dagegen nicht untereinander, in den Revieren der Männchen sind sie gern gesehen. Paarungen erfolgen meist zwischen Ende April und Anfang Juni, Eiablagen finden überwiegend zwischen Mitte Mai und Anfang August statt. In Abhängigkeit von der Witterung und der Qualität des Lebensraumes legen deutsche Mauereidechse ein bis drei Gelege pro Jahr ab. Die ersten Jungtiere können ab Ende Juli beobachtet werden. Die Mauereidechse gilt als Charakterart der Weinbauregionen Südwestdeutschlands, entsprechend haben veränderte Wirtschaftsweisen im Weinbau großen Einfluss auf ihre Bestände. Durch Flurbereinigungsverfahren wurden und werden Jahrhunderte alte, kleinparzellierte Rebfluren mit zahlreichen Trockenmauern in maschinengerechte Schläge umgestaltet. Die Mauern verschwinden dabei fast vollständig, bei den verbleibenden bzw. neuen handelt es sich meist um fugenlose Betonmauern. Mit den Nischen und Ritzen verschwinden auch die Mauereidechsen, die zudem unter dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln leiden. Schwer zu bewirtschaftende Steillagen werden oftmals aufgegeben, durch zunehmende Verbuschung und Beschattung gehen auch diese Flächen allmählich als Lebensraum der Mauereidechse verloren. Große Bestände von Podarcis muralis leben an Bahnanlagen. Innerstädtische Güterbahnhöfe werden kaum noch benötigt und daher zunehmend als Gewerbeflächen vermarktet, wodurch den Eidechsen weiterer Lebensraum entzogen wird. Mauereidechsen werden auch durch Sanierungen an Ruinen und Burgen gefährdet, da hierbei oftmals „ihre“ Hohlräume verfugt und verputzt werden. Wie bei anderen Arten beinhaltet der Schutz der Mauereidechse die Sicherung ihrer Lebensräume. Von diesen stellen versteckreiche Mauern einen integralen Bestandteil. Bei Sanierungen ist es wichtig, abschnittsweise vorzugehen, so dass jeweils Rückzugsgebiete für möglichst viele Tiere erhalten bleiben. Sowohl beim Verfugen als auch beim Bau von Mauern sollte auf das Vorhandensein tiefer Spalten in möglichst großer Anzahl geachtet werden. Anstelle von Betonmauern sollten Drahtschotter-Gabionen errichtet werden, die deutlich preiswerter als (die nahezu unbezahlbaren) Trockenmauern sind. Brachliegende Rebfluren, Steinbrüche und andere Sekundärstandorte können durch Pflegemaßnahmen (Entbuschung) als Mauereidechsen-Lebensraum erhalten werden. Verwendete und weiterführende Literatur Dexel, R. (1986): Zur Ökologie der Mauereidechse Podarcis muralis (Laurenti, 1768) an ihrer nördlichen Arealgrenze - I. Verbreitung, Habitat, Habitus und Lebensweise. - Salamandra 22 (1): 63-78.Dexel, R. (1986): Zur Ökologie der Mauereidechse Podarcis muralis (Laurenti, 1768) an ihrer nördlichen Arealgrenze - II. Populationsstruktur und -dynamik. - Salamandra 22 (4): 259-271. K. Fritz (1987): Die Bedeutung anthropogener Standorte als Lebensraum für die Mauereidechse (Podarcis muralis). - Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 41:427-462. Gruschwitz, M. & W. Böhme (1984): Podarcis muralis (Laurenti, 1768). - In: Böhme, W. (Hrsg.): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas. Bd. 2/II Echsen (Sauria), III (Podarcis), Wiesbaden (Aula): 155 - 208. R. Günther, H. Laufer & M. Waitzmann (1996). Mauereidechse - Podarcis muralis -. - In: Günther, R. (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. - Jena (Gustav Fischer): 600-617. U. Schulte (2008): Die Mauereidechse. - Bielefeld (Laurenti). U. Schulte (2010): Die Mauereidechse - Reptil des Jahres 2011. - Aktionsbroschüre online unter http://www.zoodirektoren.de/pics/medien/1_1292606685/Aktionsbroschuere_2011_72.pdf (PDF-Datei, 2,2 MB) Zusammenfassungen der Beiträge zur internationalen Mauereidechsen-Tagung 2011: http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/88358/Zusammenfassungen.pdf?command=downloadContent&filename=Zusammenfassungen.pdf (PDF-Datei, 620 kB) |
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